Stadtrundgang in Linz macht Lebensrealität Jugendlicher sichtbar
Etwa 30 Verantwortungsträger:innen und Interessierte folgten am 30. April 2026 der Einladung der „Aktionsgemeinschaft zum Tag der Arbeitslosen“ zu einem besonderen Stadtrundgang in Linz: Er gab Einblicke in die Lebensrealität arbeitsloser Jugendlicher.
Erschwerter Einstieg durch psychische Belastungen
„Ich habe die Balken einer Statistik gesehen. Es gibt viel zu wenig Lehrstellen. Das ist entmutigend. Ich habe noch keine Lehrstelle gefunden und es ist, als würden all meine Bemühungen nichts bringen.“ Diese Einschätzung eines 15-Jährigen ist kein Einzelfall. Anfang des Jahres verzeichnete Oberösterreich den Höchststand an Lehrstellensuchenden. Die Zahl der Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, ist im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Lehrstellen um rund 23 Prozent zurückgegangen. Besonders schwierig ist die Situation für Jugendliche, die zusätzlich belastende Erfahrungen, etwa mit Mobbing oder Gewalt, gemacht haben. Daraus folgende Angsterkrankungen oder Depressionen stellen eine weitere Hürde bei der Suche nach einer Lehrstelle dar.
Frühe Unterstützung entscheidend
Das zeigt, wie wichtig verlässliche Unterstützung und niederschwellige Angebote der psychosozialen Begleitung sind. Sie helfen Jugendlichen, sich zu stabilisieren und Schritt für Schritt Vertrauen und Perspektiven für die eigene Zukunft zu entwickeln. „Ein erschwerter Einstieg ins Berufsleben erhöht das Risiko wiederholter Arbeitslosigkeit. Um gegenzusteuern, braucht es bildungspolitische und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die Jugendliche beim Berufseinstieg unterstützen und zugleich dem Lehrstellen- und Fachkräftemangel entgegenwirken“, sagt Katja Haller, Projektleiterin und Referentin der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung.
Linz durch die Augen arbeitsloser Jugendlicher sehen
Anschaulich wird die Situation betroffener Jugendlicher bei einem Stadtrundhang in Linz, der gemeinsam mit arbeitslosen Jugendlichen entwickelt wurde. Projektleiterin Katja Haller: „Es sind junge Menschen aus psychosozialen Einrichtungen im Alter zwischen 15 und 22 Jahren, die ihr Leben unter erschwerten Bedingungen meistern. Der Stadtrundgang führt zu Orten in Linz, die Einblick in ihren Alltag geben. Wir sehen die Stadt gleichsam durch ihre Augen.“
Jede Station des Rundgangs stand für ein zentrales Thema. Gestartet wurde am Hauptbahnhof und der dort angesiedelten AMS-Zweigstelle, die für Arbeitssuche und Behördenkontakte steht. Weiter ging es zur Arbeiterkammer OÖ, wo Lehrstellensuche im Fokus stand. Dabei wurden auch Wünsche und Lösungsansätze thematisiert, etwa eine verstärkte Übergangsbegleitung im ersten Lehrjahr. Eine Apotheke stand stellvertretend für das Thema psychische Gesundheit, ein Fitnesscenter für einen Ort, der jungen Menschen sprichwörtlich Kraft gibt. Ein weiterer Fokus lag auf der digitalen Lebenswelt. Bei der Landesbibliothek wurden soziale Medien als wichtigste Informationsquelle Jugendlicher in den Blick genommen. Stellvertretend für psychosoziale Unterstützungsangebote wurde das IAB, Institut für Ausbildungs- und Beschäftigungsberatung, als abschließende Station gewählt.
Jugendliche, die beim Jugendprojekt JU-CAN der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung in Betreuung sind, sowie Jugendliche von pro mente OÖ und vom Projekt VSG FACTORY, haben ihre Erfahrungen an den jeweiligen Stationen des Rundganges vorgelesen. Am Rundgang teilgenommen haben etwa Vizebürgermeisterin Karin Leitner, Stadträtin Eva Schobesberger, Nationalratsabgeordneter Roland Baumann und Caritas Vorständin Marion Huber sowie Vertreter:innen sozialer Einrichtungen.
Terminhinweis: Weiterer Stadtrundgang am 5. Mai
Wer beim ersten Mal nicht am Stadtrundgang teilnehmen konnte, hat ein weiteres Mal die Möglichkeit dazu: Dienstag, 5. Mai 2026, 16.00 – 18.00 Uhr Treffpunkt: Hauptbahnhof Linz im oberen Eingangsbereich innen Um Anmeldung wird gebeten: katja.haller@dioezese-linz.at