Weshalb sich Frauen aus politischer Teilhabe zurückziehen und was Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik damit zu tun haben.
Pressekonferenz von arbeit plus, 3. März 2026
Nicht vertreten, nicht wertgeschätzt, nicht gehört
Weshalb sich Frauen aus politischer Teilhabe zurückziehen und was Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik damit zu tun haben.
Pressekonferenz von arbeit plus, 3. März 2026
„Kürzungen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind direkte bis indirekte Einsparungen in der Demokratie. Das können wir uns nicht leisten. Nicht aus sozialer und wirtschaftlicher Perspektive, und nicht als demokratische Gesellschaft”, sagt Sabine Rehbichler stellvertretend für arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich, Dachverband Frauen- und Mädchenberatung, ABZ*AUSTRIA, sprungbrett, Organisationen, die diese Realität aus dem Alltag ihrer Arbeit kennen.
“Seit 2018 ist das Vertrauen von Frauen in das politische System massiv gesunken“
„Das Vertrauen von Frauen in das politische System ist geringer als jenes der Männer – und es sinkt seit 2018 kontinuierlich”, fasst Martina Zandonella von FORESIGHT Research die Ergebnisse des Demokratiemonitors 2025 mit Blick auf die Situation von Frauen zusammen. Nur noch jede dritte Frau (32%) glaubt, dass das politische System gut funktioniert – unter den Betroffenen im unteren Einkommensdrittel sind es 19%, unter Arbeitslosen 21%.
Die Ursache dafür liegt unter anderem in folgenden Faktoren: Frauen in systemrelevanten Berufen sowie im unteren Einkommensdrittel fühlen sich für ihre geleistete Arbeit seltener wertgeschätzt. Gemeinsam mit jungen Frauen berichten sie zudem davon, von der Politik weniger gut vertreten zu werden. Zwei zentrale Versprechen der Demokratie – Gleichwertigkeit und Mitsprache – bleiben damit für sie unerfüllt. „Die Folge: Viele von ihnen ziehen sich aus der demokratischen Beteiligung zurück. Nur noch jede vierte Frau (26%) im unteren Einkommensdrittel ist davon überzeugt, mit politischer Beteiligung auch etwas bewirken zu können.”
„Arbeitslosigkeit hat zunehmend ein weibliches Gesicht”, sagt Sabine Rehbichler von arbeit plus. Seit Oktober 2024 steigt die Frauenarbeitslosigkeit deutlich stärker als jene der Männer.
144.775 Frauen sind derzeit arbeitslos, besonders hart trifft es Frauen ab 50, deren Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich um 9,2 Prozent gestiegen ist. Österreichweit gelten 101.976 Menschen als langzeitbeschäftigungslos arbeitslos, um 13,9 Prozent mehr als im Vorjahr, knapp ein Drittel aller arbeitslosen Frauen sind davon betroffen. Viele weitere verschwinden gänzlich aus der Statistik, weil die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Care schlicht nicht möglich ist.
„Die Verfestigung der Langzeitbeschäftigungslosigkeit hat gravierende Folgen: sinkende Vermittelbarkeit, gesundheitliche Belastungen, soziale Isolation und steigende Armutsrisiken. Wir stehen vor der realen Gefahr einer Verfestigung der Sockelarbeitslosigkeit auf hohem Niveau”, warnt Rehbichler. Und wie der Demokratiemonitor zeigt: Frauen, die in dieser Situation leben, verlieren das Vertrauen in die Politik und ziehen sich aus der demokratischen Teilhabe zurück.
Die Sozialplattform OÖ ist Landesnetzwerk von arbeit plus.